Dyskalkulie

Unter Dyskalkulie bzw. Rechenstörung versteht man die Beeinträchtigung von Rechenfertigkeiten, die nicht durch eine allgemeine Intelligenzminderung oder eine eindeutig unangemessene Beschulung erklärbar sind. (Definition der WHO)

Bezeichnend für eine Dykalkulie ist die Tatsache, dass selbst einfache Rechnungen die Betroffenen überfordern. Zahlen werden nicht als die Angabe einer Menge verstanden, sondern erscheinen als reine Symbole, die des Öfteren gedreht werden.

Die daraus resultierenden Folgen sind, dass selbst einfache Rechenschritte nicht verstanden werden und zur Verwirrung führen.

Da ein mathematisches Verständnis auch in anderen Unterrichtsfächern, wie Physik oder Chemie wichtig ist, sind Kinder auch in diesen Fächern überfordert.

Eine chronische Überforderung lässt Betroffene an ihre Leistungsgrenzen stoßen. Das hat weitreichende Folgen: über kurz oder lang können sie dem Unterricht nicht mehr folgen, verlieren die Lust am Lernen und/oder werden hyperaktiv. Zudem kommt hinzu, dass ihr Umfeld sie oft fälschlicherweise als dumm oder faul bezeichnet.

Was kann INPP für diese Betroffenen tun?

Eine gute motorische Koordination und sensorische Wahrnehmung sind für ein mathematisches Verständnis unerlässlich. Sie helfen beim Verständnis von Zahlenbegriffen, Mengenangaben und abstrakten Denken.  

Wenn frühkindliche Reflexe vorhanden sind, dann sind die motorische Koordination und sensorische Wahrnehmung gestört. Büffeln und Nachhilfe sind dann vergebens und führen oft zu weiterem Frust.

Über den Zusammenhang von Gehirn und Körper wurde viel geforscht. Über die Sinne nehmen wir die Informationen der Außenwelt wahr. Die Verarbeitung dieser Informationen erfolgt im Gehirn, das wiederum über das efferente Nervensystem darauf reagiert. Ein ausgereiftes zentrales Nervensystem ist wichtig, damit dieser Informationstransfer ordnungsgemäß und fehlerfrei gelingt.  

Solange frühkindliche Reflexe persistieren, wird die komplette Ausreifung des zentralen Nervensystems verhindert. Lernen wird zu einem anstrengenden Unterfangen.

Welche Reflexe sind vor allem betroffen?

Hier wäre zunächst der Moro-Reflex zu nennen. Wenn dieser persistiert finden sich Betroffene in einer ständigen Alarmbereitschaft. Stresshormone, wie Adrenalin und Cortisol werden vermehrt ausgeschüttet und führen auf Dauer zu einer Beeinträchtigung der Konzentration und Sinneswahrnehmung.

Des Weiteren führt ein persistierender ATNR zu einer Kreuzlateralität, die direktes und schnellstmögliches Denken verhindert.

Und schließlich verhindert der TLR eine Interaktion mit anderen sensorischen Systemen. Richtungssinn, Distanzen, Tiefen und Geschwindigkeit können nur schwer erfasst werden. Strukturen und räumliche Beziehungen, die in der Mathematik unerlässlich sind, ergeben für den Betroffenen keinen Sinn.

Wie wird vorgegangen?

Zunächst werden u.a. die nicht integrierten Reflexe in einem Screening identifiziert. Danach wird ein individuelles Bewegungsprogramm für zuhause erstellt.

Es bedarf wiederkehrender Reize und vor allem wiederholender Bewegungen, um die Hirnareale - Stammhirn, Kleinhirn und Cortex - miteinander zu vernetzen. Mit der Zeit übernehmen höhere Hirnzentren mehr und mehr die Kontrolle und hemmen die frühkindlichen Reflexe. Stören die frühkindlichen Reflexe nicht mehr die Ausreifung des zentralen Nervensystems, beginnen die erforderlichen körperlichen Vorgänge automatisch zu arbeiten und eine präzise Sinneswahrnehmung wird möglich. Der Cortex kann dann seiner eigentlichen Aufgabe nachgehen, nämlich der Verarbeitung intellektueller Informationen.

Erst dann steht dem Lernen nichts mehr im Wege und die Mathematikübungen können verstanden werden. Eine zusätzliche mathematische Unterstützung bleibt jedoch notwendig, um die Rechenvorgänge zu trainieren.