Depression

Die Zahl der Menschen mit Depressionen steigt weltweit rasant an. Einer Stu­die der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) zur Folge, waren 2015 rund 322 Millionen Men­schen betroffen, 4,4 Prozent der Weltbevölkerung. Das waren gut 18 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor.

Die WHO sieht besonderen Handlungsbedarf bei Jugendlichen, Frauen vor und nach der Geburt sowie älteren Menschen.

Ein offensichtlicher Auslöser ist nicht immer zu finden. In einer US-amerikanischen Studie konnte nur etwa ein Drittel der Depressiven ein belastendes oder einschneidendes Erlebnis vor der Erkrankung nennen (»Psychological Medicine«, 1996; 26(1), 121-133).

 

Stress als mögliche Ursache

Stress scheint bei der Entstehung von Depressionen eine definitive Rolle zu spielen.

Bei vielen Depressiven ist der Blutspiegel von Cortisol, einem typischen Stresshormon, erhöht. Nach der Diathese-Stress-Hypothese ist der Regelkreislauf des Hormons gestört. Steigt der Cortisolspiegel, werden normalerweise Glucocorticoid-Rezeptoren im Hippocampus aktiviert, die als negative Rückkoppelung die Ausschüttung von weiterem Corticotropin-freisetzendem Hormon (CRH) unterbinden. So wird der Cortisolspiegel gedrosselt. Depressive exprimieren vermutlich weniger dieser feedbackgebenden Rezeptoren im Hippocampus als Gesunde (»Psychoneuroendocrinology«, Doi: 10.1016/j.psyneen.2008.03.008).

Die Ausschüttung von CRH im Hypothalamus wird daher nicht gebremst. Tierversuche haben jedoch gezeigt, dass Ratten, die als Jungtiere viel mütterliche Fürsorge erfuhren, mehr Glucocorticoid-Rezeptoren exprimieren und im späteren Leben stressresistenter sind als vernachlässigte Tiere.

Was hat INPP damit zu tun?

 Restreaktionen des Moro-Reflexes verursachen Stress und können sich so zu überängstlichen oder depressiven Verhaltensweisen manifestieren.

Der Moro-Reflex ist einer der frühesten primitiven Reflexe in der natürlichen Reflexabfolge. Er erscheint in der 9. bis 12. Schwangerschaftswoche und ist bei der Geburt vollständig präsent. Man bezeichnet den Moro-Reflex auch als erste primitive Schreckreaktion, die sich im zweiten bis vierten Monat in eine reife Schreckreaktion umwandeln soll. 

Der Moro-Reflex schützt das Baby vor lebensbedrohlichen Situationen. Ist der Moro-Reflex aktiv, so befindet sich das Baby in einer Kampf-Fluchtreaktion und reagiert mit folgenden aufeinanderfolgenden Bewegungen:

  1. Zunächst werden gleichzeitig beide Arme und Beine gestreckt, die Hände und Finger gespreizt und der Kopf wird in den Nacken gelegt. Es folgt ein kurzes Erstarren und Einatmen bei geöffnetem Mund.
  2. Daraufhin werden beide Arme und Beine gleichzeitig geschlossen, gefolgt von Beugungen der Ellenbogengelenke. Die Hände werden zu Fäusten geballt (daher der Name Umklammerungsreflex) und das Baby atmet schließlich aus, zumeist gefolgt von einem lauten Schrei.

Wenn der Vorläufer des Moro-Reflexes - der sogenannte Rückzugsreflex  - verhindert, dass der Moro-Reflex richtig ausreifen kann, so kann es vorkommen, dass er im ersten (gleichzeitiges Strecken der Arme und Beine, Spreizen der Arme und Finger, Legen des Kopfes in den Nacken und Luft anhalten) oder im zweiten  Bewegungsteil (gleichzeitiges Schließen der Arme und Beine, Umklammerungsreflex, Ausatmung und eventueller Schrei) unterentwickelt oder sogar nicht vorhanden ist. Dies würde sich als Reaktion auf einen Reiz in einer Bewegungslähmung bzw. Erstarren zeigen.

Dieses Erstarren wird von Luftanhalten, verringertem Muskeltonus und dem Verlust von Reaktion auf äußere Stimuli (nicht reagieren) begleitet. Der Körper aktiviert zusätzlich schmerzunterdrückende Mechanismen und die Herztätigkeit verlangsamt sich. Das Kind, das noch im frühkindlich-reflexhaften Verhalten steckt, atmet zwar tief ein, aber es atmet nicht richtig aus. Der Atem stockt, da die Luft in der Phase des Ausatmens angehalten wird (ein Schrei kann dadurch auch nicht ausgestoßen werden).  Goddard vergleicht diesen Zustand mit der Erfahrung, plötzlich in sehr kaltes Wasser geworfen zu werden.  Cotrell (1987) sieht sogar einen Zusammenhang zwischen verbleibendem Moro-Reflex und Asthma.

Die Handlungshemmung erzeugt die Absonderung von Noradrenalin und Cortisol (Odent 1984). Noradrenalin bewirkt das Zusammenziehen der Blutgefäße, eine Beschleunigung des Herzschlags und Erhöhung des Blutdrucks. Gemeinsam mit Cortisol sind Langzeitwirkungen wie Schwächung des Immunsystems und Depressionen zu beobachten.

Die andere Reaktion des Moro-Reflexes wäre das gegenteilige Verhalten, nämlich eine Überreaktion des Kindes. Diese Kinder leben unter ständiger Anspannung und Angst sind immer in Alarmbereitschaft und können bei subjektiv empfundener Bedrohung schnell überreagieren. Das Hormonsystem produziert in Folge Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol und bereitet den Körper durch Anstieg des Blutzuckerspiegels auf eine Kampf-Flucht-Reaktion vor, mit allen dazugehörigen, typischen Symptomen : rascher Herzschlag, Erweiterung der Pupillen, erhöhte Wachsamkeit auf Kosten der Verdauung, des Wachstums und der Zellerneuerung. Die Blutzuckerreserven werden rasch verbraucht und die Kinder werden schnell müde und gereizt.

Persistiert der Moro-Reflex über seine übliche Waltezeit hinaus, so kommt es zu einem Ungleichgewicht im Nervensystem, welches sich schädlich auf das Hormonsystem auswirkt und zu Depressionen führen kann.  INPP arbeitet ausschließlich mit den neuromotorischen Aspekten von Depressionen.